Als Filmemacherin, die immer auf der Suche nach guten Ideen ist, fragte ich die Wiener Schauspielerin Claudia Martini, mit der ich bereits erfolgreich zusammengearbeitet hatte, ob sie nicht einen Tipp für mich hätte. Sie lud mich zu einer Open-Air-Tango-Vorführung ein. Ich war vom ersten Moment an fasziniert. Wie hypnotisiert starrte ich auf das elegante Spiel der Füsse, das völlig selbstverständliche Zusammenspiel der Körper, die Erotik der Bewegungen. Dies hatte nichts mit dem Salon-Tango zu tun, den ich in längst vergangenen Tanzschulzeiten gelernt hatte. Anschliessend begleitete ich die Tänzer in die Wiener Tango-Bar „Cheek to Cheek". Auch dort gab ich mich stundenlang der Betrachtung des Tanzes hin.
Und kaum eine Woche später marschierte ich – etwas schüchtern und mit Stöckelschuhen bewaffnet - zu meiner ersten Tanzstunde. Luciano Rios, der argentinische Grand Seigneur des Tango in Wien, wurde mein erster Lehrer, zu dem ich bis heute gehe, wenn die Zeit es erlaubt. Dass er seine Erklärung ausschliesslich in Spanisch, noch dazu im Porteño-Dialekt der Einwohner von Buenos Aires abgibt, mindert den Spass daran nicht. Und schon nach wenigen Tanzstunden stand für mich fest: Darüber will ich einen Film machen! Der Redaktor, dem ich das Thema vorschlug, war genauso schnell Feuer und Flamme wie ich. Die Vision, eine hochkarätige und damit teure Dokumentation mit Dreh in Buenos Aires zu erstellen, scheiterte allerdings am schnöden Mammon.
So mussten wir uns mit einer Schmalspurvariante zufrieden geben und den Dreh auf Wien beschränken. Mein Konzept war, verschiedene Tanzpaare in ihrer Persönlichkeit und mit ihrem je eigenen Tanzstil zu portraitieren. Natürlich Luciano Rios, der mit weissem Seidenschal und makellosem schwarzen Anzug den Inbegriff des südamerikanischen Padrone darstellt, zusammen mit seiner Wiener Tanz- und Lebenspartnerin Traude. Dann den jungen Argentinier Jorge Bosicovic mit seiner Tanzpartnerin Elisabetha, der einen dynamisch-wilden, temperamentvollen Tanzstil verkörpert. Die Argentinierin Alexandra Alberti-Rogel mit ihrem Gefährten Christoph, die einen Querschnitt durch die historische Stilentwicklung des Tango Argentino lieferte.
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Und last but not least der Argentinier Rafael Ramirez mit seiner Tanzpartnerin Lisa Hey, die die Doku zu den Valse-Klängen von „Desde el alma" eröffnen und beenden. Als roter Faden führt die Schauspielerin Claudia Martini durch die Geschichte, die – wie es der Zufall so will – in Wien zu diesem Zeitpunkt mit dem 2-Personen-Stück „Tango für Charly" auftrat.
Die entsprechende Tango-Szene wurde natürlich auch im Film verewigt. Claudia Martini hatte den Tango übrigens in der Schweiz kennen und lieben gelernt! Und dann durfte auch Otto Eder nicht fehlen, ein Wiener Original, der die Geschichte des Tangos, insbesondere seinen Siegeszug durch Europa, mit allen Jahreszahlen und Details auswendig aufzählen kann. Und in Wien mit viel Engagement und Herzblut eine Tango-Zeitschrift herausgibt. Schliesslich – als kleine Einlage – ein Amateur-Trio, das den Tango so spielt, wie er zu Beginn in den Bordells und Kaschemmen im Hafenviertel von Buenos Aires zu hören war. Und zum Grand Finale versammeln sich alle zur Milonga im „Cheek to Cheek", um dem Tango zu frönen, der für sie Lebenstanz und Leidenschaft zugleich geworden ist.
Länge: 45 min
Der Filmabend im Luzerner stattkino wird umrahmt von mehreren hinreissenden Showtanz-Einlagen des argentinischen Profitänzers Julio Mendez mit seiner Partnerin Anneke Gisi.
Anschliessend an die Filmvorführung besteht für Neulinge und Interessierte die Möglichkeit einer Schnuppereinführung.
Ab 23 Uhr gibt es Milonga im Foyer des stattkino. Musik macht Beat Marghitola.
Preis: 25,- Fr. Reservation unter Tel. 041 410 30 60
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