Interview mit Claudio und Heidi
+++ Basel im Januar 2001
Fragen von tangoinfo an Claudio und Heidi, ein engagiertes und lebenslustiges Tangopaar aus Basel, zum letztjährigen congreso del tango in Buenos Aires:
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Claudio, Heidi. Ihr ward letztes Jahr am congreso del tango in Buenos Aires. Was muss man sich unter dem Congreso vorstellen?
"Das ist ein Treffen der weltbesten Tangolehrer und -lehrerinnen, organisiert wird der congreso von den Tanzlehrern aus B.A. Es finden eine Woche lang Tanzkurse in verschiedenen Salons von Buenos Aires statt."
Wer nimmt am congreso teil?
"Die Schüler/innen der Tanzkurse kommen aus der ganzen Welt, es sind darunter auch selber Tanzlehrer/innen. Beim letzten congreso gab es etwa 300 aktive Teilnehmer, die die Kurse belegten. Sie befinden sich in allen Altersstufen."
Welches Tanzniveau sollten die Kursteilnehmer bereits mitbringen?
"Es gibt 4 Niveaustufen (Grundkurse, mittel, sehr gute und Professionals). Man kann auch als Anfänger hingehen, doch mit bereits vorhandenen Grundkenntnissen wird man mehr profitieren. Als Teilnehmer am congreso kann man auch an mehreren Kursen und Tanzniveaus teilnehmen.
Wir waren täglich an 2 Kursen (1 Woche lang) und haben während des gesamten Aufenthalts (10 Tage) auch an vielen Bällen und Milongas teilgenommen."
Ist das nicht sehr stressig?
"Die Kurse beginnen um 12.30 Uhr - das sind die "Vormittagskurse", die Nachmittagskurse beginnen um 16 Uhr, die Kurse sind über 6 Salons im Zentrum verteilt. Die Milongas beginnen um 23 Uhr und gehen bis 4 - 5 Uhr in der Frühe. Das alles macht einen Riesenspass und ist allenfalls ein positiver Stress. Die Kurse sind sehr intensiv und diszipliniert und man kommt wirklich gut voran".
Muss man als Teilnehmer spanisch sprechen?
"Spanisch ist sicherlich von Vorteil, aber nicht einmal so sehr für die Kurse, dort spricht man hauptsächlich Englisch. Das Spanisch ist ganz nützlich für die Milongas, die man nachts besucht: die Porteños haben Freude, wenn Gäste aus Europa kommen - ein paar Worte Spanisch sind dann immer hilfreich. Die Porteños sind sehr spontane Menschen und kontaktfreudig. Natürlich viel mehr als die Schweizer :-)"
Wie erfährt man wo Milongas stattfinden?
"Es gibt wöchentlich eine Zeitung mit den lokalen Tangoinfos. Man sollte bei den Milongas auch die Flyers beachten."
Gibt es bei den Milongas "den Macho"? Wie ist auf den Milongas das Verhältnis Mann/Frau?
"Jeder Porteño ist ein Macho! Er beobachtet auf den Milongas die Frauen und taxiert sie regelrecht. Die Frau sollte dem Milonguero keinen Korb geben! Wenn ein Paar zur Milonga geht und sich einander zuwendet, gilt das als "belegt". Sitzt das Paar jedoch einander abgewandt, so wird die Frau von anderen Milongueros aufgefordert; leider haben es die Tango- Anfängerinnen deutlich schwerer. Das Verhältnis Mann/Frau ist respektvoll und die Rollenverteilung ist klar geregelt - die jüngeren Frauen sind sehr emanzipiert. Und die älteren Männer tanzen ganz gerne mit den jüngeren Frauen - umgekehrt ist das eher selten...
Bei den Milongas ist das tänzerische Niveau etwas besonderes: die Milongueros legen Wert auf gute Haltung und einen schönen Ausdruck. Beim Salonstil gibt es keinen "Firlefanz". Als wir aus Buenos Aires retour kamen, betrachteten wir die Milongas hierzulande mit ganz anderen Augen."
Fahrt ihr wieder einmal nach B.A.?
"Ja, wir hoffen, dass 2002 ganz schnell kommt. Denn dann wollen wir wieder zum congreso fahren - am liebsten in der Gruppe, da hat man viel Erfahrungsaustausch mit gleichgesinnten Leuten. Letztes Jahr fuhren wir mit der Tangoschule Basel zum congreso."
Merci für das Gespräch Claudio und Heidi! (mi)
Wenn du ein Feedback zum Interview geben willst oder eigene Impressionen vom congreso del tango hast, bitte ins foro del tango schreiben. Merci!
update: 15 Jan 2001
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