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Ein Brief von Mónica Wasserbach aus Buenos Aires über ihre Gefühle in dieser Zeit.
Anmerkung tangoinfo:
Mónica Wasserbach ist mit ihrer Sprachschule InterLinguaBA demnächst in der Schweiz und gibt Spanisch-Unterricht für Anfänger und Fortgeschrittene:
5.2. - 8.2. in Bern, 9.2. - 10.2. in St. Gallen, 11.2. - 15.2. in Zürich
E-Mail: info@interlinguaba.com.ar
"...lass uns unseren ernsten Tango tanzen."
Von Mónica Wasserbach, 31.12.2001
"Porque me duele si me quedo, pero me muero si me voy. Por eso y a pesar de todo, mi amor yo quiero vivir en vos."
"Es schmerzt mich, wenn ich bleibe, aber ich sterbe, wenn ich gehe. Deswegen und trotz allem, meine Liebe, ich will in dir leben."
Das, was Maria Elena Walsh für Buenos Aires geschrieben hat, kommt mir in diesen Tagen spontan in den Sinn, leider, hat sie das in der Zeit der Militärdiktatur gemacht. Dazu kommt meine Angst an diese Zeit, hoffentlich nur als unbewusste körperliche Erinnerung...
In diesen Tagen haben wir vieles gelernt und das nicht nur als Volk, sondern als Individuum. Jeder hat sein Bestes machen müssen um weiter zu machen, ohne Geld, ohne neue Möglichkeiten in der Ferne.
Zum Glück wollen wir ewige psychoanalisierte Neurotiker vorbereitet sein, das Beste vom Schlechten herauszukratzen, um davon zu lernen.
Wie und was wir mit unserer Frustration und Angst machen, um von dieser Situation herauskommen zu können - und dies noch mit gehobenen Haupt - war die Herausforderung des stolzen Porteños in den letzten Monaten.
Die politische Situation kennen wir, es ist schwerig, aber bis jetzt konnten wir sagen:
-Wir hatten unsere Sozialleben, das nahm man uns nicht weg.
-Wir hatten unsere Familien, sie waren immer dabei.
Aber jetzt sind die Freunde weg, die Familie entweder bankrott oder im Exil, und die anderen machen sich stark (wenn sie können) oder unsichbar, und überleben...
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Wie kann es mir gut gehen, wenn meine Freunde leiden? Gestern las ich eine Reklame auf der Strasse:
"Nur mit einem aufgestandenen Volk werden wir eine Nation bilden."
Das ist was wir jetzt haben. Der Optimismus, wenn schon, bewegt sich rund um diese Idee. Kochtöpfe als Waffen, Protestschreie als Musik, das Volk hat vieles zu sagen.
Vielleicht sind wir nun keine Kinder mehr und erlauben uns selber zu entscheiden. Wir hatten Hunger, Trauer...diese Prüfung hat uns bestimmt selbsbewusst und stark gemacht.
Wir können heute Tango tanzen und den Kopf hochhalten, schon nicht nur als soziale oder kulturelle, sondern auch aus persönlichen Gründen, mit der Natürlichkeit und der Schönheit, welche die emotionelle Erfahrung mit sich bringt.
Wir leben weiter, wir feiern weiter, wir tanzen weiter, wir lieben weiter, und doch, wir leiden weiter.
"porque le diste reparo, al desarraigo de mi corazón,
por todo y a pesar de todo, mi amor yo quiero vivir en vos"
"...weil du meinem entwurzelten Herz Schutz gegeben hast,
deswegen, und troz allem, meine Liebe, ich will in dir leben."
So endet das Gedicht von Maria Elena Walsh. Wir, die entwurzelten Herzen, die da einen wunderbaren Platz auf der Erde gefunden haben, hoffen, dass es für lange so sein darf.
Inzwischen, lass uns unseren ernsten Tango tanzen!
Mónica Wasserbach
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