"Und selten nur war der Tango geeignet, in den Salons exklusiver Viehexporteure gesungen zu werden."
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9.2.2003
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Ralf Satori hat einige Auszüge aus seinen Büchern
"Tango, die einende Kraft des tanzenden Eros" und aus dem neuen Tango-Unterrichtsbuch "Tango- Tanz der Herzen" als Leseproben zur Verfügung gestellt.
Bei tangoinfo.ch erscheinen diese Auszüge in zwei Etappen, zunächst also der "tanzende Eros". Die Grafiken stammen von Valeria Ulman Vivaldo.
Bibliographische Angabe: "Tango, die einende Kraft des tanzenden Eros", erschienen bei Atlantis im Heinrich Hugendubel Verlag/ Autoren: Ralf Sartori, Petra Steidl, ISBN 3-89631-329-0, weitere Infos unter tango-a-la-carte.de im Internet.
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"Tango, die einende Kraft des tanzenden Eros"
Auszüge mit freundlicher Genehmigung von
Ralf Sartori, München
Über Ursprung und Wesen des Tangos
Der
Tango aus dem Mündungsgebiet des Rio de la Plata ist ein merkwürdiger Tanz. Er stellt sich uns mit kunstvoll eleganten Schrittkombinationen dar, bei denen die Schritte von Mann und Frau durch komplizierte, arabeskenhafte Muster in scheinbar unüberschaubarer Weise ineinander verschlungen und verwoben sind. Dennoch ist dieser Tanz ein Tanz der Achsen, bei dem der Impuls für die Bewegung aus dem Zentrum nach außen läuft und nicht primär ein Tanz der Schritte. Er ist ein Tanz der Herzen und des Rückgrats. Alles wesentliche geschieht aus der stabilen Einheit der Oberkörper, in der Umarmung des Tangos. Die Schritte, denen zwar eine große Bedeutung in der Wirkung des Tanzes nach außen zukommt, sind dennoch Sekundärbewegungen.
Das Gehen oder Caminar in der Umarmung des Tangos bildet die Grundlage für alle Schrittkombinationen. Der Tango ist eine Bewegungssprache mit umfangreichen Vokabular und komplexer Grammatik. Damit die Frau ihrem Tänzer durch den Kosmos tänzerischer Möglichkeiten souverän folgen kann, muß sie sich von der Vorstellung festgelegter Figuren lösen. Jegliche Festlegung im Tango ist beliebig und erfolgt lediglich für den Unterricht. Keine zwei Tangos sind gleich. Deshalb benötigt die Tänzerin solide elementare Kenntnisse. Bestimmte Figurenkombinationen erlernt zu haben genügt bei beiden Tanzenden nicht, um wirklich in einen tänzerischen Dialog treten zu können.
Der Tango ist also kein Tanz des Schrittemachens, sondern positiv ausgedrückt, ein subtiler und unvorhersehbarer Dialog zwischen Mann und Frau. Und er ist einerseits ein vielschichtiges Symbol in Bewegung für den Hohen Eros, anderseits aber auch ein Spiegel, in dem wir mit der Momentaufnahme unserer augenblicklichen Beziehung konfrontiert werden.
Der Impuls geht von der Achse des Mannes aus, genaugenommen vom Herzen. Jenen Impuls nimmt die Frau aus ihrer Mitte heraus auf, und zwar ebenfalls am Herzen und lenkt ihn, von dort aus, ohne im Oberkörper nachzugeben, in die Streckung ihres Schrittes.
Diese Beschreibung gilt uns bereits als erstes Beispiel, wie wenig sich diese Technik der reinen Funktionalität mechanischer Abläufe unterwirft und wie sehr in ihr bereits die ganze Philosophie und Metaphysik dieses Tanzes enthalten sind.
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update: 11 Feb 2003
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