"Ich habe Angst vor der Begegnung mit der Vergangenheit, die mich mit meinem Leben konfrontiert."
aus Volver


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Bild 3 Der Weg von A nach B steht im Vordergrund und nicht A oder B. Nur das gewährleistet eine hohe Qualität, auch von A und B. Ein Ziel in der Tanzbewegung ist es, diese inhaltlich maximal zu verdichten. Das bedeutet, daß die Zahl der, in ihr gefühlten Momente zunimmt. Die Zahl der 'Bewegungspunkte', die wir wahrnehmen, steigt an. Wir gehen immer mehr in die Tiefe; und zwischen zwei Punkten, die wir zuvor hintereinander, modellhaft gesprochen, wahrgenommen haben, spüren wir noch weitere. Es ist, wie wenn wir nachts in den Sternenhimmel schauen. Zuerst sehen wir nur einige Sterne. Doch je länger wir unsere Aufmerksamkeit auf eine Stelle richten, um so mehr werden für uns sichtbar. Wir füllen die Bewegung zunehmend nach innen aus und dringen in sie ein. Es ist, wie die Bewegung zu schmecken, sich auf der Zunge zergehen zu lassen. Unsere 'Bildauflösung' wächst dabei immer mehr, entsprechend der Zunahme der Kapazität unserer Wahrnehmung, die wir im Tango schulen. Neben dieser Verdichtung der Kommunikation zwischen Geist und Körper, vertiefen wir auch den Dialog mit unserer Tanzpartnerin und die Wahrnehmung des Raumes, sowie der anderen Paare.

Das komplexe Zusammenspiel zwischen Mann und Frau funktioniert nur durch feines gegenseitiges Erspüren und instinktiver Berücksichtigung aller Wahrnehmungen. Ein angestrebter Zustand im Tango, ebenso wie in den Kampfkünsten, in denen sich der Geist des Zen ausdrückt, ist die Einheit zwischen Geist, Körper und Technik. Von dieser Einheit ausgehend, wird auf der nächsten Ebene die Einheit von Mann und Frau, auf der Grundlage maximaler Differenzierung in den Rollen, möglich. Wenn das Denken führt und nicht die Intuition, entsteht ein Moment des Abwartens, wodurch uns der Fluß des realen Geschehens überholt. In einem Zenkoan drückt sich diese hellwache, aber meditativ in sich ruhende Geistesverfassung, welche für die Kampfkünste, wie auch für den Tango von Bedeutung ist, in einem kurzen und passenden Bild aus:

Das Bild des Mondes im Fluß ist immer in Bewegung.
Doch der Mond ist da und er verschwindet nicht.
Er bleibt und er bewegt sich doch.


Dieser Zen-koan beschreibt den unbewegt in sich ruhenden Geist in Bewegung. Und wie immer im Tango haben wir es mit einem Paradox zu tun, zumindest mit einem scheinbaren. Der Fluß symbolisiert sowohl die Zeit, als auch die körperliche Bewegung. Der an sich unbewegte Mond steht für den still im Augenblick verweilenden Geist. Er bewegt sich nur scheinbar, dort wo er sich im Fluß spiegelt. Doch der Mond haftet nicht am Fluß an. Denn der Fluß ist keinen Augenblick der gleiche. Genausowenig haftet im Tanz unser Geist an vergehenden Augenblicken an. Sonst könnte er nicht mehr in der Gegenwart sein. Er verweilt stets un-bewegt im gerade gegenwärtigen Augenblick. So bleibt er in jedem Moment frisch und im Kontakt mit der lebendigen Realität der unentwegt fließenden Augenblicke. Er schläft nicht ein. Der Augenblick ist wie eine goldene Kugel, die beide umhüllt, in der sie, jenseits von Raum und Zeit, über das Parkett gleiten.

Ein Weiser hat einmal gesagt, man könne nie zweimal in den selben Fluß steigen. Beherzigen wir diese Wahrheit wirklich, bedeutet das auch, daß wir nie zweimal die selbe Frau umarmen und nie zweimal in der selben Weise mit ihr in den Bewegungsfluß eines wirklichen Dialoges eintauchen können.

[Ende Leseprobe]

Es gibt von dem Buch zwei Ausgaben:
Taschenbuch und Hardcover mit CD

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update: 09 Feb 2003 © tangoinfo.ch
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