Tango und Salsa unter einem Dach? Wenn es so ein grosses ist wie das des Konzerthauses in Freiburg, kann das schon ein ziemlich runder Abend werden. Überhaupt - oftmals ist Salsa für Tangueros und Tangueras eine willkommene Abwechslung für die Milonga. Die eine finden dann Zeit, die Bar oder Toilette aufzusuchen zwecks Ausgleich der Flüssigkeitshaushalte, Austausch von Oberbekleidung und Auffrischen der Gesichter, den andren ist der Salsarhythmus willkommener Anlass, die Hüften geschmeidig kreisen zu lassen.
Tango und Salsa funktioniert. Salsa und Tango ist eher selten. "Zu komplizierte Schritte", "Zu lange zu lernen" sind die üblichen Salserokommentare, "Die Musik ist ja echt depri..." kommt dann manchmal noch zur Bekräftigung hinterher. Meinen Beobachtungen nach ziemich depri-frei verlief die gestrige Nacht in Freiburg für die allermeisten der 1600 Besucher. Diese Zahl nannte Flavio Alborino von der Salsa Academia Freiburg, er konnte aber nicht genau sagen, wer davon ausschliesslich zum Salsa, zum Socialdance und wer zum Tango Argentino kam.
3 Dancefloors, Salsa- und Tangoshows sorgten für kräftige Energie im Konzerthaus Freiburg. Manche Nomaden pilgetern vom grossen Saal mit Salsa ab CD und vom Orchester "Calypso" zum Vordeck mit Standardtanz weiter zum kleinen runden Saal mit Tango Argentino von DJane Anita Speiser. Einlass war ab 20 Uhr, die letzte Runde gegen 4 Uhr früh, da waren die Salseros noch immer am Werk, aber auch schon deutlich dezimiert. Unterbrochen wurde diese lange Tanznacht durch einen zusammenhängenden Showblock. Zuerst 4 Paare der Tangoschule Freiburg, die eine Gemeinschaftschoreographie zu einem Stück von Bajofondo Tango Club, gefolgt von einer Rhumba, erarbeitet hatten, was mir und den Zuschauern gut gefiel.
Unter andrem auch, weil die Musik einfach moderner war als sonst von Tangoperformances gewohnt. Zum "herkömmlichem" Tango Argentino tanzten
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danach das Gastlehrerpaar aus Florenz, die extra für das Wochenende in Freiburg die Vorbereitungen für ihr eigenes Festival unterbrochen hatten: Patricia & Matteo. Die Musik war zwar "herkömmlich" (oder auch "bewährt" oder traditionell", je nachdem, wie man das selbst sieht), die Choreographien dagegen sehr modern und elegant.
Ein anmutiges Spiel mit den Zentrifugalkräften, wenn Patricia beim Giro vom Boden abhob und mit schwereloser Ruhe auf einer Trabantenreise um Matteo schwebte.
Es kann kaum so leicht sein, wie es aussah...die Milonga der beiden wirkte ebenfalls ziemlich unbekümmert über Dinge wie Schwerkraft und Massenträgheit und verzauberte durch eine mondäne Lebendigkeit. So langsam gehen mir die Adjektive aus, die Zugabe war eine Inspiration für "bailare las pausas" in einem spannungsreichen, gesungenen (!) "Recuerdo" von Pugliese - sage da noch einer, Tänzer konkurrieren nicht gern mit Sängern bei Vortanzen.....
Die Musik zum Tangotanzen von DJane Anita ware die richtige Mischung zwischen Tradition und Nontango/Electrotango, sonst wären wohl kaum so viele Leute auf der Piste gewesen.
Der Abend war allein schon als Tangofest gelungen, die Option, von Salsa zu Standard und wieder zurück zu Tango zu wechseln machte dann noch das Besondere des Anlasses aus - eine unbedingte Empfehlung, nächstes Jahr diese Veranstaltung mit auf den Tangokalender zu nehmen. Und vielleicht auch mal im Palladium oder im Gare des Gareçons im Hauptbahnhof vorbeizuschauen, es hat schon noch Platz und Bedarf an guten Tänzern und Tänzerinnen....
Fotos: J. Jundt
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