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Tango in Istanbul

von Rafael Cruz 11.11.2013

Istanbul ist wie ein Schlund, der seine Besucher einverleibt und in eine Welt der Fülle entführt. Egal ob es sich um Menschen in den Strassen, Restaurants, Auslagen in den Cafes oder Taxis handelt, von allem hat es im Überfluss. Bezaubernd schön, niemals am schlafen und immer am essen - so pulsiert die Stadt am Bosporus der Zukunft entgegen. Sich morgens um drei in ein Café zu setzen und Tee trinken ist hier genauso alltäglich wie die Antwort des Kellners auf meine Frage wann sie schliessen: «No closed, open 24 hours». Drei Stunden dauerte der Flug nach Istanbul - wesentlich länger braucht es, um auch mental anzukommen. Istanbul ist anders als alle Städte, welche ich bisher besuchte. Von den Eindrücken überwältigt braucht es seine Zeit, um sich vor Ort zu erden. Erschlagend und atemberaubend verlangt es von seinen Besucher eine gewisse Phase der Demut in der es gilt, sich anzuklimatisieren.

Istanbul 523

Eine Stadt, bunt, modern und gleichzeitig traditionell. Eine Stadt mit einer Geschichte und Kultur, welche viel Raum für den Tango und seinen Esprit lässt. Dieser hatte hier schon früh seine Wurzeln geschlagen, um dann an Attraktivität einzubüssen. Seit 1990 erlebt er ein Revival und erfreut sich mittlerweile grosser Beliebtheit. Ein hohes Tanzniveau, zahlreiche Lokale und grosse Events wie das «Tango Ritual» machen es den Besuchern leicht auf ihre Kosten zu kommen. Rund dreissig Milongas finden wöchentlich in Istanbul statt. Während meinem fünftägigen Aufenthalt besuchte ich vier. Diese finden mehrheitlich um die Istiklal Caddesi im Ausgehviertel und nahe beim Taksim Platz statt. Ein wirklich auffälliger Unterschied zu Milongas in der Schweiz ist, dass das Auffordern durch Cabezeos noch weniger als bei uns verbreitet ist. Während meinem Besuch fiel mir kein einziges Mal auf, dass durch Kopfnicken aufgefordert wurde. Stattdessen stellen sich die einheimischen Tangueros vor die Dame ihrer Wahl und fordern freundlich zum Tanz auf.

Milonga Istanbul (Freitag 1. November 2013)

Wo: Tangoclub Jean an der Süslü Saksi Sok. No. 14 Beyoglu, eine kleine Seitengasse zur Ausgehmeile Istiklal Caddesi. Siehe Bilder von der Fassade und dem Eingang.

Tangoclub Jean

Meine erste und wohl eher kleine Milonga in der Tangoschule Jean der auch ein Tangoclub angeschlossen ist. Bei meinem Besuch herrschte zur Freude der Tangueras ein auffälliger Herrenüberschuss. Die Damen waren wohl eher jüngeren Semesters (25-30 Jahre) und die Herren geschätzte 30-40 Jahre alt. Der Empfang war wie überall sehr freundlich und ein Eintritt kostete inklusive Getränk 20 TL, was in etwa 10 Schweizer Franken entspricht.


BOSPHORUS @333 (Samstag 2. November 2013)

Wo: Siraselviler Street. Nr :33
Befindet sich im selben Gebäude wie der Namli Hiper Market, durch die Passage in den 3. Stock.

Diese Milonga wird durch die Schule Istanbul Tango organisiert und findet in deren Schulungsräumen statt. Toller Holzboden, Stukkaturen an den Decken und eine weite Sicht über die Dächer von Istanbul schaffen eine schöne Atmosphäre. Das Lokal ist ideal gelegen, nur drei Minuten vom Taksim Platz entfernt und mitten im Vergnügungsviertel. Kein Wunder war es am Samstagabend brechend voll. Das Altersspektrum der Tänzer ist hier sehr breit. Von 25 bis open end war hier jede Altersgruppe vertreten. Der Eintritt pro Person betrug 15 TL und wie üblich war auch ein Getränk inbegriffen.

Milonga Bosporus


Milonga Ponte (Sonntag 3. November 2013)

Wo: Istiklal Caddesi, 185 Taksim

Milonga Ponte Im eleganten Restaurant Ponte direkt an der Istiklal Caddesi bietet sich die Möglichkeit diese Milonga mit oder ohne Abendessen zu besuchen. Der Eintritt allein kostet 22 TL, mit Abendessen bezahlten wir 40 TL pro Person. Wer noch nicht gegessen hat, dem sei die Variante mit Essen empfohlen. Das Essen war lecker und ein Glas Wein ebenfalls inbegriffen. Das Altersniveau war bei ca. 40 Jahren, sehr gut besucht und mit einem tollen Ambiente. Atemberaubende Aussicht über ganz Istanbul für diejenigen die einen Tisch am der Fensterfront bekommen oder in den Pausen auf die Dachterrasse ausweichen.

Ponte 2

Armada Milonga (Montag 4. November 2013)

Wo: Cankurtaran Mh., Ahirkapi Sk 58 (im historischen Teil)

Diese Milonga findet im Konferenzsaal des Hotel Armada statt und gilt als die „most famous oder biggest“ in Istanbul. So zumindest wurde sie uns von anderen Tangueros an den vorher besuchten Milongas beschrieben. Das Hotel Armada liegt im historischen Teil Istanbuls im Viertel Sultanahmet und ist mit dem Taxi ca. 20 Minuten vom Taksim Platz entfernt. Ein freundlicher, wenn auch etwas überlasteter Sevice durch die Kellner bot für 20 TL Eintritt einen Früchteteller, zwei Getränke wie auch sehr gute Musik und viele Tangueras und Tangueros. Hier schien mir das Niveau der Tänzer am fortgeschrittesten zu sein. Wie eine meiner Tanzpartnerinnen meinte: „The most dancers here have probabely more then five Years of experience...während ich das nun so vor mich hintippe...frage ich mich was sie mir wohl damit sagen wollte?.

Istanbul 718


Von schönen Tangokleider und viel Vertrauen

Eines meiner schönsten Eindrücke erlebte ich an einem Kleiderständer. Melek Yagci stand daneben und bot ihre handgenähten Tangokleider feil. Wunderschöne Teile, alles Unikate und zu günstigen Preisen. Wer kennt sie nicht diese Glücksschreie, welche Frauen im Kaufrausch von sich geben...so auch meine Frau, die sich mit glänzenden Augen fünf Teile beiseite legen liess. Als es ans Zahlen (ca. 300 CHF) ging merkten wir, dass unser Bargeld nicht ausreichte. Als wär es das Selbstverständlichste dieser Welt überreichte Melek uns eine Tasche mit den Kleidern und meinte: „Ihr seid ja morgen bestimmt auch an der Milonga im Hotel Armada. Zahlt sie mir einfach dort“. Erschlagen von soviel Herzlichkeit und Vertrauen hätte ich mich wohl auch mit 40 Grad Fieber ins Hotel Armada geschleppt, um unsere Schulden zu begleichen. Gleichzeitig erinnerte ich mich an die zahlreichen Reiseführer, welche uns vor Taschendieben warnen und musste über diese Widersprüche schmunzeln.

Melek
Foto: Melek (Quelle: Melek Yagci)


Tangoschuhe auf türkisch

Wer Tangokleider kauft, will auch Schuhe... zumindest wenn man in den Ferien ist und man, respektive Frau mit dem konstanten Gefühl lebt, über zu wenig Tangoschuhe zu verfügen. Mit diesem inneren Drang und einer ungezähmten Abenteuerlust machten wir uns auf die Suche nach einem Schuhladen, welcher uns von einer netten Tanguera an der Freitags-Milonga empfohlen wurde.

Schuhe 664

Sie ist Besitzerin eines Tangoschuhladens über der Tanzschule Jean und meinte: „Wenn ihr massgeschneiderte Schuhe sucht, dann schaut doch bei Necmi vorbei“. Nein, sie wollte uns keine ihrer Schuhe verkaufen und für alle die es nicht für möglich halten: Wir sind auch ohne den obligaten Teppich nach Hause gekehrt. Und so kam es, dass wir bei Necmi an der Istiklal Cad. Mis Sk. Misgürkan han No 7 im fünften Stock eines Privathauses landeten und uns bei türkischem Kaffee und Tee in die Geheimnisse der besten (notabene türkischen) Tangoschuhe einweihen liessen. Vom Kaufrausch meiner Frau gepackt fragte ich ob er auch Herrenschuhe verkaufe. „Men department upper floor“ meinte Necmi und wies mich auf eine Treppe gegenüber dem Aufzug. Bis zur Damenabteilung reicht der Fahrstuhl, die Herren der Schöpfung müssen die letzten Stufen zu Adim Kundura zu Fuss gehen. Im sechsten Stock traf ich Adim, einen weiterer Schuhmacher und Besitzer einer 8 m² grossen Herrenabteilung. Während ich in wenigen Minuten fündig wurde und ihm erklärte, dass mir die Schuhe für 160 statt 200 TL besser gefallen würden, genoss meine bessere Hälfte den Duft von Leder und Klebestoff bei einem Tee. Zwar kam sie nicht in den Genuss massgefertigter Schuhe aber zumindest waren sie massgeklopft. Auch die kleinste Druckstelle wurde von Necmi registriert und mit schlagkräftigen Argumenten und unter Beihilfe eines Hammers zur perfekten Passform motiviert.

Schuhe 666




Eine aktuelle Übersicht aller Milongas mit detaillierten Informationen wie Zeit, Ort, Tel-Nr. usw. findet man unter www.milongainistanbul.com

Text/ Fotos: Rafael Cruz ist Organisator des Tango im Schloss und Tangoinfizierter im Frühstadium.



update: 03 Feb 2014 © tangoinfo.ch
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